Partnerschaften und Geld sind heute leider immer noch ein Tabuthema, und gleichzeitig sind Streitigkeiten bezüglich finanzieller Themen nach wie vor der Scheidungsgrund Nummer 1. Die meisten Paare setzen sich vor der Ehe mehr mit der Wahl der Hochzeitstorte oder der Ringe auseinander, als Zeit in die Besprechung ihrer finanziellen Zukunft und der rechtlichen Folgen einer Hochzeit zu investieren - und diese Aussage kommt von mir, einer absoluten Torten-Liebhaberin!. Viele von uns haben Begriffe wie Zugewinngemeinschaft oder Versorgungsausgleich zwar schon mal gehört, wissen aber nicht genau, was sich tatsächlich dahinter verbirgt. Um uns aufzuschlauen habe ich mich mit der wunderbaren Anette Gnandt getroffen. Anette ist Anwältin für Familien- und Erbrecht sowie Mediatorin, und hat sich mit ihrem Partner Daniel mit der Kanzlei Steltzer in Berlin selbständig gemacht.



Steffi: Liebe Anette, 1000 Dank, dass Du Dir heute Zeit für Mrs Smart Money nimmst! Ich habe neulich in einer etwas ernüchternden Statistik gelesen, dass die Scheidungsrate in den letzten 20 Jahren zwischen 39 und unglaublichen 56% lag. In Großstädten wird jede zweite Ehe geschieden. Da sollte man sich doch als clevere Frau heutzutage auf eine Eheschließung genauso gut vorbereiten wie auf die Führerscheinprüfung oder die Verteidigung der Bachelorarbeit. Wenn Du einer Mandantin vor ihrer Hochzeit 3 Tipps geben könntest, welche wären diese?

Anette: So eine tolle Beratungssituation würde ich mir häufiger wünschen. Es wäre großartig, wenn mehr Paare vor ihrer Eheschließung zu mir kommen würden und nicht erst, wenn es kriselt und die Ehe zu zerbrechen droht. Leider ist das in Deutschland immer noch nicht so üblich. Hier wären meine Tipps:

1. Gemeinsamen Lebensentwurf besprechen

Jede Frau sollte sich Gedanken zu ihrem Lebensentwurf machen und diese auch detailliert mit ihrem Partner besprechen. Ich finde das normal, in anderen Lebensbereichen macht man so etwas schließlich auch. Wo sieht man sich und seinen Partner in 3, 10 oder 15 Jahren? Wie stelle ich mir eine Ehe vor? Möchten wir eine Familie haben? Wer soll den Nachwuchs wann und wie betreuen? Arbeiten wir beide auch mit Kindern noch voll, oder reduziert jemand auf Teilzeit? Wollen wir zusammen eine Wohnung oder ein Haus kaufen? Falls es hier Differenzen gibt, sollte man nicht darauf vertrauen, dass sich diese mit der Ausstellung des Trauscheins auflösen, sondern diese im Vorfeld ausführlich besprechen und eine Lösung finden.

2. Den Worst Case, die Scheidung, einmal durchspielen

Beide Partner sollten gemeinsam einmal den hoffentlich niemals eintretenden Fall der Scheidung besprechen. Hier hilft es, so konkret wie möglich zu sein. Statements wie “Ich werde Dich da schon nicht finanziell im Stich lassen” sind natürlich sehr schwammig. Fragen wie “Wir leben jetzt zusammen, aber könntest Du Dir mit einem Teilzeitjob eigentlich eine eigene Wohnung leisten?” oder “Wo werden unsere Kinder wohnen und wie wird die Betreuung aussehen?” sind hier zielführender. So ungewöhnlich sind Scheidungen leider nicht, daher sollte man diese als mögliches Szenario einmal durchgespielt haben. Das hilft meiner Meinung nach auch, sich die Zerbrechlichkeit der Situation bewusst zu machen und gemeinsam zu entschließen, dass man alles dafür tun wird, es nicht dazu kommen zu lassen.

3. Sich rechtlich beraten lassen

Mit einer Eheschließung ändern sich rechtlich einige Aspekte, und diese Auswirkungen sollte man kennen. Hier geht es ja nicht um eine Konfrontation, sondern um die Aufklärung der eigenen Rechte. Eine oft schon ausreichende Erstberatung kostet 226,10€, ein vergleichsweise niedriges Investment, wenn man sich die möglichen Konsequenzen vor Augen führt. Idealerweise sollten sich beide Ehepartner von einem eigenen Anwalt beraten lassen. Viele Dinge kann man zwar heutzutage online nachschauen, aber jede Situation ist individuell und sollte auch so behandelt werden. Zum Beispiel, ob ein Ehevertrag für das Paar sinnvoll wären und welche Bereiche dieser abdecken sollte. Es ist immer besser, sachlich auf Augenhöhe über diese Themen zu sprechen, solange man sich gegenseitig wohlgesonnen ist, als im Nachhinein, wenn Gefühle eventuell abgekühlt sind oder einer der Partner sich vielleicht nach der Trennung schon in einer anderen Beziehung befindet. In diesen Situationen vermischen sich oft negative Emotionen mit finanziellen Interessen, was keine gute Ausgangsbasis für eine Verhandlung ist.

Steffi: Stichwort Ehevertrag, kommen viele Mandanten zu Dir mit dem Wunsch, einen Ehevertrag abzuschließen?

Anette: Hier wird unterschieden, ob ein Ehevertrag vor der Hochzeit, oder zum Ende der Beziehung hin geschlossen wird, die sogenannte Scheidungsfolgenvereinbarung. Leider kommen die meisten Mandanten erst dann zu mir, wenn es bereits Probleme in der Ehe gibt oder die Trennung umgesetzt werden soll, und nicht vor der Eheschließung.

Steffi: Welche Personengruppen sollten denn einen Ehevertrag haben?

Anette: Sobald einer oder beide Eheleute selbstständig tätig sind, es sich um eine bi-nationale Ehe handelt oder die traditionellen “Hausfrauenehe” geplant ist, bei der nur eine Partei (meist immer noch der Mann) arbeiten geht, würde ich immer einen Ehevertrag empfehlen. Bei Paaren, die z.B. keine Kinder wollen, beide in Festanstellung voll arbeiten und ungefähr gleich verdienen, wäre ein Ehevertrag nicht zwingend notwendig.

Steffi: Was hat es im Falle einer Scheidung für Konsequenzen, wenn man keinen Ehevertrag hat? Diesbezüglich werden oft die Begriffe Zugewinngemeinschaft und Versorgungsausgleich erwähnt. Was bedeuten diese?

Anette: Der Zugewinnausgleich meint den Ausgleich des in der Ehe erwirtschafteten Vermögens und der Versorgungsausgleich betrifft die Rentenanwartschaften, also den künftigen Anspruch auf Rente. Diese Rechtsfiguren haben ihren Ursprung in der traditionellen “Hausfrauenehe”, bei der die Frau nicht erwerbstätig ist und der Mann alleine das Geld verdient. Der Gesetzgeber hat entschieden, dass die Frau, die den Vermögensaufbau des Mannes mitgetragen hat (z.B. weil sie auf die Kinder aufgepasst und beruflich zurückgesteckt hat), am Vermögenszuwachs und an den Rentenanwartschaften des vollzeit-erwerbstätigen Ehemanns teilhaben soll. Der Versorgungsausgleich, also der Ausgleich der Rentenanwartschaften (meist der Rentenpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung), wird im Zuge der Scheidung automatisch vorgenommen, der Zugewinnausgleich muss bei Uneinigkeit bei Gericht beantragt und durchgefochten werden. Beim Zugewinn schaut man, mit welchen finanziellen Mitteln die Parteien in die Ehe gestartet sind und wie viel Vermögen (Bargeld, Immobilien, andere Investments) zum Zeitpunkt der Trennung und zum Zeitpunkt der Scheidung jeweils vorhanden ist. Der Ehegatte, der mehr an Vermögen anhäufen konnte, hat die Hälfte der Differenz zum Vermögenszuwachs des anderen Ehegatten an diesen auszuzahlen. Ein vereinfachtes Beispiel: Hat die Ehefrau am Ende der Ehe 20.000 Euro an Vermögen angehäuft und der Ehemann 40.000 Euro, hat der Ehemann 10.000 Euro an die Ehefrau auszuzahlen. Der Zugewinnausgleichsanspruch ist immer ein Anspruch auf einen bestimmten Geldbetrag. An den Eigentumsverhältnissen ändert sich dabei nichts. Bin ich z.B. vor Eheschließung Eigentümerin einer Immobilie, gehört mir diese nach der Trennung immer noch alleine. Steigert sich allerdings der Wert der Immobilie, wird dieses Wachstum im Zuge des Zugewinns berücksichtigt. Erbt eine der Parteien, wird dieses Erbe ebenfalls nicht Teil des Zugewinns.

Steffi: Was ist, wenn einer der Partner Schulden in die Ehe mitbringt oder diese während der Ehe anhäuft?

Anette: Eine Eheschließung führt nicht dazu, dass eine Partei für die Verbindlichkeiten des Ehegatten gegenüber dem Gläubiger automatisch mithaftet. Die Ehe begründet allein keine Verantwortung für die Schulden des Partners. Aber, die mit in die Ehe eingebrachten Schulden werden im Falle einer Scheidung beim Zugewinnausgleich verrechnet, was die sparsame Partei in der Ehe natürlich im Nachhinein benachteiligt. Durch die Schließung eines Ehevertrags kann man solche Szenarien ausschließen.

Steffi: Wie kann man Dinge regeln, wenn man gemeinsam lebt und Kinder hat, aber nicht verheiratet ist?

Anette: Für unverheiratete Paare ist ein Partnerschaftsvertrag zu empfehlen, ganz besonders, wenn ein Partner beruflich zurücksteckt. Denn dieser Person stehen bei einer Trennung nicht die bereits erwähnten vom Gesetz vorgesehenen Ausgleichsmodelle zu. Wichtig wäre ein solcher Vertrag auch, wenn beide Eigentümer einer gemeinsamen Immobilie sind. Im Todesfall des einen Partners erbt der oder die Hinterbliebene z.B. auch nicht automatisch, was zu Komplikationen führen kann.

Steffi: Liebe Anette, vielen Dank für Deine Zeit und all die interessanten Infos!

Anette: Sehr gerne, bis bald!


Falls Du Fragen rund um das Thema Eheschließung oder Scheidung hast, erreichst Du Anette unter folgenden Kontaktdaten:

Steltzer Rechtsanwälte + Mediatoren

Pariser Straße 3, 10719 Berlin

(030) 94 87 14 10

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Foto: Astis Krause